#afterbabybody vs. #bodypositivity

Ich hatte niemals Probleme mit meinem Körper, ungelogen, niemals… aber wieso auch? In meiner Jugend habe ich Volleyball und Beachvolleyball gespielt, war am Wochenende gerne ununterbrochen tanzen und auch sonst eigentlich immer auf Achse. Nach meinem Abitur habe ich angefangen dual zu studieren und auch wenn ich dadurch keine Zeit mehr für Mannschaftssport hatte, hat mein Job im Einzelhandel mich doch definitiv auf Trab gehalten. An dem Tag, an dem ich meinen Freund kennenlernte, trug ich bauchfrei und eine unglaublich hoch geschnittene Jeans ohne einen Funken Elasthan. Dieses Outfit war tatsächlich so etwas wie eine Uniform für mich zur damaligen Zeit. Warum ich euch das erzähle? Nun ja, weil es so nicht mehr ist, wie ihr euch vielleicht denken könnt…

In letzter Zeit fühle ich mich immer mehr konfrontiert mit Frauen, die trotz offensichtlich Neugeborenem mit makellosen Körpern durch die Gegend laufen. Und diese Frauen heißen nicht etwa Heidi Klum und haben Millionen auf dem Konto, von denen sie sich drei Personal Trainer leisten können, nein, es sind scheinbar ganz normale Frauen wie du und ich, die man mal im Schwimmbad, mal beim Shoppen oder ganz einfach von Zeit zu Zeit eben im eigenen Bekanntenkreis sieht. In solchen Momenten wird mir immer wieder geradezu schmerzlich bewusst, dass mein eigener Körper, um den ich mir 25 Jahre lang nie irgendwelche Gedanken gemacht habe, nicht mehr der ist, den ich mal kannte. In solchen Momenten fange ich an meine Oberarme zu verstecken, meinen Rücken gerade zu biegen und die Dellen an meinen Oberschenkeln zu bedecken. Denn obwohl ich in meiner ersten Schwangerschaft nicht unheimlich zugenommen habe und obwohl ich sehr lange sehr ausgiebig gestillt habe, ist mein Körper niemals wieder so geworden, wie er vor der Schwangerschaft war.

Das Bild, das ihr oben sehen könnt, ist übrigens auf unserer Malaysia-Reise im April 2016 entstanden. Johanna war zum damaligen Zeitpunkt also ungefähr 8 Monate alt und auch wenn man sicherlich sieht, dass ich dort noch einige Schwangerschaftspfunde mit mir rumtrage, war ich zufrieden mit meinem Körper. Ich hatte keine Probleme damit, dass mein Bauch nicht fest und straff war. Die kleinen Dellen hier und dort machten mir nichts aus, immerhin waren sie lediglich Zeugen davon, welche unheimliche Meisterleistung mein Körper nicht einmal ein Jahr zuvor gemeistert hatte. Ich war zuversichtlich und habe mir selbst immer wieder gesagt, dass es Zeit bräuchte zurückzukehren zu dem, was einmal war. Und selbst wenn es kein richtiges Zurück gäbe, dann hätte mir das zum damaligen Zeitpunkt nichts weiter ausgemacht.

Geändert hat sich diese Selbstwahrnehmung in dieser Schwangerschaft. Als sich zu den noch immer nicht abtrainierten Kilos fröhlich weitere Pfunde gesellten, meine Brüste immer weiter gen Boden sanken, meine Oberschenkel nun anfingen beim Gehen aneinander zu scheuern und mein Bindegewebe einfach mal völlig den Geist aufgab. Mir ist durchaus bewusst, dass eine Schwangerschaft eine große Belastung für den Körper ist und ich verlangte sicherlich keinen Perfektionismus von mir selbst in diesem Punkt, nichts desto Trotz fühlte ich mich einfach nur unwohl. So unwohl, dass ich schon anfing nach Mitteln und Wegen zu suchen die überflüssigen Pfunde loszuwerden, sobald es möglich wäre. Ich googlete Fitnessstudios in der näheren Umgebung, klapperte online sämtliche Volleyball-Vereine ab und erinnerte meinen Freund einmal wöchentlich daran, dass er mit mir zusammen einen Crossfit-Kurs belegen müsste, sobald ich dazu wieder in der Lage sei.

Und wieso all das? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Ich wünschte ich könnte von mir behaupten all dies nur für mich selbst und nicht für ein gesellschaftlich vermitteltes Bild der perfekten, jungen, stylischen Mama getan zu haben. Ich wünschte ich könnte von mir selbst behaupten den Sport und die Bewegung einfach zu brauchen, um mich vollständig zu fühlen, aber so ist es nicht. Ich weiß zwar, dass mir zumindest das Volleyball-Training unheimlich gut tut und eine Menge Glücksgefühle in mir freisetzt, aber wenn ich frei wählen könnte, würde ich dann doch lieber einen gemütlichen Abend mit den Liebsten verbringen, glaube ich.

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich bei den Mädels von This is Jane Wayne auf ein Video von Alexa Wilding gestoßen, in dem die Zwillingsmama ganz offen und ehrlich über Selbstzweifel, hängende Haut und echtes Glück spricht, und musste Rotz und Wasser heulen. Auf der einen Seite, weil sie damit einen wunden Punkt bei mir traf, etwas, das ich so lange hatte verstecken wollen, auf der anderen Seite, weil ich absolut überhaupt nicht nachempfinden konnte wie diese wunderschöne Frau an Selbstzweifeln leiden konnte? Und auf einmal bemerkte ich, mit welch strengem Maß ich mich selbst beurteilte, wie weit ich von dem, was man gemeinhin als bodypositivity bezeichnet, entfernt war. Seitdem versuche ich mir jeden Tag bewusst zu machen, was dieser Körper gerade leistet und nicht zu streng mit mir zu sein. Jeder „Makel“ steht doch für eine Erfahrung, die ich gemacht habe, die mich weitergebracht hat und die mich hat wachsen lassen. Jede Falte, jede Delle, jeder Pickel und jeder Schatten unter dem Auge ist nur ein Beweis mehr dafür, dass das Leben, das ich nun lebe, tatsächlich real ist und seine Spuren hinterlässt. Genau so wie ich jedes einzelne graue Haar bei meinem Freund liebe, muss ich anfangen meinen Körper als das zu akzeptieren, was er ist: der Körper einer Mutter, der ganz genau so ist, wie er sein soll. Den Crossfit-Kurs werde ich vielleicht trotzdem antreten, aber nicht mehr, um meinen Körper hochglanzfähig zu trainieren.

Und für all diejenige unter euch, die auch eine kleine Motivations-Rede von Alexa gebrauchen können, hier ist das Video:

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