1ste Liebe

Hätte mir jemand vor drei Jahren erzählt, dass ich heute mit einem wundervollen Mann, einem Hund und einer einzigartigen Tochter in einer kuscheligen Wohnung in Berlin lebe und mit kugelrundem Bauch vor dem Laptop sitze und Zeilen für meinen Blog tippe, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt. Vor drei Jahren war ich nämlich gerade erst nach Berlin gezogen, aktives Tinder-Mitglied und ständig auf Achse. Ich habe gefeiert, gedated und gearbeitet – vielleicht nicht ganz in der Reihenfolge aber doch ziemlich konsequent. Zwar war es schon immer mein Kleinmädchentraum früh Mama zu werden, aber erstens ging der Mutterschaft in dieser Fantasie eine langjährige Partnerschaft inklusive Hochzeit voran und zweitens: wer hält ernsthaft an solchen abstrusen Träumen fest? Tja… was soll ich sagen, manchmal schlägt das Schicksal einfach mal richtig zu, wirft alle deine Pläne über den Haufen und krempelt dein Leben einmal komplett um.

Ich lernte Peter an einem Sonntag im August kennen und besuchte am selben Tag noch mit Freundinnen das gleichnamige Café im Prenzlberg. Irgendwie wusste ich, dass dieser eher wortkarge, große, grauhaarige Mann mich noch ein bisschen beschäftigen sollte, auch wenn meine Freundin das so gar nicht nachvollziehen konnte. Die Meinung hat sie übrigens nur zwei Wochen später revidiert. Keine drei Monate später erfuhr ich von der Schwangerschaft…

Wir sollten also Eltern werden. Ich – die ich gerade darüber nachdachte mich beruflich umzuorientieren und er – der rationale Bayer, der gerade einen Burgerladen eröffnet hatte. Rückblickend betrachtet war das damals ganz schön verrückt und irgendwie auch waghalsig, in dem Moment hat es sich aber einfach ganz richtig und gut angefühlt und ich für meinen Teil war schon immer ein Mensch, der sich gerne durch Bauch und Herz leiten lässt.

Im August 2015 war es dann so weit. Mit zwei Wochen Verspätung trat Johanna in unser Leben und mischte es einmal komplett auf. Die kleinen Knopfaugen, der Schluckauf, der sie anfangs so oft quälte und die winzigen Fäuste werde ich niemals vergessen. Meine Mama und ich haben uns früher oft darüber gestritten wer von uns den anderen mehr liebt und nachdem ich die Liebe einer Mutter am eigenen Leib erfahren durfte, muss ich zugeben: sie hatte wohl Recht. Es fühlt sich umwerfend an deine Mama zu sein, kleine Johanna. Ein Bekannter meinte einst zu mir: „einem Kinderlosen die Liebe zu seiner Tochter zu erklären ist so, wie mit einem Blinden über Farben zu diskutieren“ und schon damals war ich beeindruckt von der Wucht der Gefühle, die ihn in dem Moment ergriffen haben. Heute weiß ich genau wovon er damals sprach. Ich bin so glücklich über jeden Schritt, den du machst und jedes Wort, das du vor dich hin brabbelst. Ich liebe es wie du den Kopf schief legst und den Blick, den du aufsetzt, wenn du versuchst einem deiner Freunde etwas zu erklären. Und ich könnte dich jedes Mal abknutschen wenn du „bitte danke“ sagst, weil du noch nicht ganz genau weißt, was was bedeutet und du mit beiden Wörtern ja sowieso auf der sicheren Seite bist. Wenn du lachst, überströmt mich jedes Mal eine Welle der Liebe und ich möchte, dass du weißt, dass es nichts gibt, das ich so sehr liebe wie dich. Lange Zeit konnte ich mir sogar nicht einmal vorstellen für deine kleine Schwester ähnlich empfinden zu können. Wie soll ich denn noch einmal so viel Liebe aufbringen? Mein Herz platzt doch jetzt schon aus allen Nähten! Ich muss zugeben es fällt mir sogar jetzt – einen Monat vor Entbindung – noch schwer daran zu glauben, dass ich Matilda genauso lieben kann wie dich, kleine Johanna, denn du warst meine erste Liebe und wirst es immer bleiben.

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